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So manche Stunde sitze ich da, denke nach, habe den Drang, meine Gefühle zu beschreiben, überlege, was ich fühle, überlege, wie ich fühle, Worte fallen mir ein, kommen aus meinem Herzen. Ich schreibe, nein, das ist es nicht, noch mal von vorne,irgendwie kommt nichts zusammen, warum fällt es mir so schwer ? Wieder schreibe ich, lese es durch, paßt es diesmal ? Warum frage ich danach, ob es paßt ? Sind es nicht meine Gefühle ? Sind es nicht meine Gedanken ? Bin nicht ich das, mit allen Eigenheiten ? Schreibfehler ? Komma falsch ? Dramatik vergessen ? Versmaß verrutscht ? Ich lösche es wieder. Will wahrscheinlich eh keiner lesen. Wen interessieren Gedanken ? Wen interessieren Gefühle ? Vor allen Dingen, wenn es nicht perfekt geschrieben ist. Niemand scheint es zu bemerken, wir nähern uns dem Perfektionismus !
Worte der Gefühle werden zepflückt, analysiert, nicht auf den Inhalt, sondern auf die Art, wie sie geschrieben wurden. Hier stolpert der Reim, da stimmt das Versmaß nicht. Ich brauche kein Versmaß für meine Gefühle. Ich brauche keine Dramaturgie, dazu war mein Leben dramatisch genug. Ich will meine Gedanken, meine Gefühle ausdrücken, so ausdrücken, wie ich sie empfinde. Nicht, wie sie in einen Reim passen ! Ich will Schreibfehler machen, Kommas falsch setzen, Spannung aufbauen, wo sie nicht hingehört, etwas nicht betonen, obwohl es wichtig ist, und auf den Reim pfeifen, wenn er nicht in mein Gefühl paßt. Perfekt sein wird oft genug von mir erwartet. Nein, das was ich schreibe, nur das bin ich, mit meinen Gefühlen, mit meinen Gedanken. Wäre ich anders, wäre ich nicht ich ! Schon oft, das zeigt die Vergangenheit wie auch die Gegenwart, war der Perfektionismus der Anfang vom Ende !
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